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Textproben

Auszug aus Die Oma im Baum (Romanprojekt)

Ich träume, ich bin wieder in der Wohnung, in der ich meine ersten Jahre verbracht habe. Alle Möbel sind noch da. Es ist ein lauer Sommerabend, durch die Fenster scheint ein mildes Licht herein. In den Regalen im Wohnzimmer einzelne, vergessene Taschenbücher mit Eselsohren. Leere  Gläser für Tuschwasser mit getrockneter Farbe an den Rändern. Und tote Zimmerpflanzen, deren Blätter grau sind und bröseln, wenn ich sie berühre.  Nur eine einzige hat sich wundersamerweise am Leben erhalten, hat sich abwärts gerankt und umschlingt nun die Regalfächer unter sich, jedes Blatt eine kleine gierige Hand. Da ist noch der von Oma geerbte Lehnsessel, mit seinem seidig dünn gewebten Überzug, der genau an der Stelle durchgewetzt ist, wo die Hände aufliegen, wenn man sitzt. Hier lagen Omas Hände. Die meiner Mutter. Meine. Ich bin auf dem Sessel herumgeklettert und habe Figuren auf der Sitzfläche platziert, habe mich davorgekniet und mit ihnen Theater gespielt. Der Sessel war Bühne für Dramen, Märchen und Kriege. Wenn ich abends ins Wohnzimmer kam, weil ich wieder einmal nicht schlafen konnte, saß meine Mutter in ihm, die Füße hochgenommen, die Beine angewinkelt, und hat ferngesehen, hat manchmal gesagt „Es läuft ein guter Film“, und ich durfte auf ihren Schoß klettern, um ein paar Minuten mitzuschauen. Als wir noch klein genug waren, passte ich zu zweit mit Esra auf die Sitzfläche. Ich erinnere mich, wie wir einmal nebeneinander ein wenig eingequetscht zwischen den Lehnen saßen, meine Mutter machte ein Foto von uns, wir trugen wild zusammengestellte Kostüme aus Tüchern meiner Oma, mit denen wir uns umwickelt hatten. Aber Esra ist nicht mehr da. Ich blicke wieder in den Raum hinein. Die Möbel sind mit Spinnweben überzogen, als hätten die Spinnen für jedes Stück vergangene Zeit ein Stück Faden gewebt. Es ist still. Das gesamte Mietshaus ist nicht mehr bewohnt, seitdem wir ausgezogen sind. Ich bemerke nun, dass der Raum größer wird, je länger ich hier stehe und mich umschaue. Die Wände wachsen in die Höhe, das Wohnzimmer dehnt sich zu einer Halle aus. Ich weiß auf einmal, ich muss mich beeilen. (…)

Auszug aus Wenn sie da ist (Kurzkrimi)

folgt in Kürze

Auszug aus Paulas Planet (Kurzgeschichte)

folgt in Kürze

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